Man vs Machine part III: Evgeny Bareev gegen Hiarcs
Bericht und Fotos: Eric van Reem
Der Wettkampf zwischen Bareev und Hiarcs ist der dritte dieser Art, den die Maastricht Chess Event Foundation organisiert. In den letzten beiden Jahren gab es schon Vergleiche zwischen dem Programm Rebel und Jan van der Wiel bzw. Loek van Wely.
The Man
Evgeny Bareev gehört schon lange zu den Topspielern der Welt. Nach seiner Sekundantentätigkeit für Kramnik beim Wettkampf gegen Kasparov in London 2000 hat er noch einen Sprung gemacht und ist nun als Nummer Acht der Welt unter den Top Ten zu finden. Gerade ist er in Wijk aan Zee Dritter geworden.
Evgeny Bareev hatte nach den dreizehn Partien im Cous-Turnier gerade einmal einen Tag, um sich von dieser Tour-de-force zu erholen. Am Dienstag begann die erste Partie des Wettkampfes gegen Hiarcs X. Sein bisheriges Resultat mit drei ungefährdeten Siegen zeigt, dass es nicht unbedingt notwendig ist, schon Wochen oder Monate vorher sich mit dem Programm vorzubereiten. Bareev: "Ich spiele einfach und denke nicht darüber nach, wie der Name des Programms ist: Fritz, Junior oder Hiarcs, wo ist der Unterschied? Ich bin Profispieler, ich spiele."
The Machine
Hiarcs ist eines der Spitzenprogramme im Computerschach und wurde von Mark Uniacke entwickelt. Schon lange vor allen anderen Programm pflegte Hiarcs einen besonders positionellen Stil. 1993 gewann Uniacke mit seinem Programm den Mikroweltmeistertitel im Computerschach. Im letzten Jahr wurde er Zweiter bei einem GM-Turnier in Buenos Aires. Spektakulär war sein brillanter Sieg gegen Boris Gulko im Wettkampf Gulko-Machines.
Mark Uniacke arbeitet immer an seine Engine, auch in Maastricht. "Seit der Veröffentlichung von Hiarcs im letzten Jahr habe ich 196 neue Versionen gemacht. Die Version in Maastricht heißt Hiarcs 8.196. Seit Oktober kann ich mich voll auf die Weiterentwicklung konzentrieren. Ich hoffe, dass Hiarcs 9 dieses Jahr noch kommt. Allerdings veröffentliche ich nur neue Versionen, wenn si mindestens 40 Elo-Punkte besser sind als der Vorgänger. Die Maastricht-Version ist allerdings schon 60 Elo-Punkte besser als Hiarcs 8. Ich würde mich nicht wundern, wenn ich damit wieder den ersten Platz in der SSDF-Liste bekäme."
Ruhiger Beginn in Maastricht
Die erste Partie des Wettkampfes Bareev gegen Hiarcs X endete remis. Dick Klokgieters vom Sponsor Duewell eröffnete den Wettkampf offiziell um 13.00 Uhr.
Bareev hatte die schwarzen Steine und wählte die Französische Eröffnung. Im Mittelspiel vermied Hiarcs den Abtausch der Damen. Nach 25 Zügen sah es so aus als hätte Schwarz leichten Vorteil, aber Hiarcs verteidigte seine Position. Nach dem Damentausch dachte Bareev, das er eine Gewinnstellung hatte, fand aber keinen Gewinnweg. Die Partie endete remis. "Versuchen wir es eben morgen noch einmal," meinte er lächelnd nach der Partie. Mark Uniacke, der Programmierer von Hiarcs, war nicht unzufrieden mit dem remis. "Die gespielte Abtauschvarinte-Variante ist remislich, aber die offene Stellung ist ganz gut für die Maschine. Ich mag diese geschlossenen Stellungen mit einer Caro-Kann-Slawisch-Struktir nicht, denn sie sind schwierig zu spielen für einen Computer.
Spiel an einem anderen Tag
Nach dreizehn Partien Wijk und zwei in Maastricht wollte Bareev mal an etwas anderes denken als Schach. Reporter und Turnierdirektor Hans Adraanse begleitete Bareev ins Kino zum Film "Stirb an einem anderen Tag", dem neuesten James Bond. Evgeny erzählte, dass er großer Bond-Fan ist. "Ich habe mindestens 10 Bond-Filme auf Video zuhause in Moskau." Dann musste er schmunzeln "Keine Russen im neuen Bond. Sind wir etwa nicht mehr die Bösen?"
In der dritten Partie wollte Evgeny offenbar auch nicht der Schlechte sein. In einer Französischen Verteidigung wählte Hiarcs diesmal eine andere Variante als in Partie Eins, bekam aber keinen Vorteil. Das englische Programm schnappte sich einen Bauern, aber Schwarz glich leicht aus. Nach 36 Zügen bot Bareev remis an und Mark Uniacke nahm an. Mark Uniacke, Programmierer von Hiarcs: "Ich bin etwas enttäuscht, dass ich mit Weiß nicht mehr aus der Eröffnung geholt habe. Ich habe mir viele Partien von Bareev angeschaut, aber es ist schwer, Schwächen in seinem Repertoire zu finden."
Kein Sieger in Maastricht
Der Wettkampf zwischen dem russischen Weltranglistensiebten Evgeny Bareev und dem englischen Spitzenprogramm Hiarcs X von Mark Uniacke endete nach vier Remisen mit 2:2.
Auch in der vierten Partie kam es zur Englischen Eröffnung, doch dieses Mal war Mark Uniacke vorbereitet. In der zweiten Partie hatte ihn 1.c4 etwas überrascht. Gestern Abend hat er sich dann einige englische Stellungstypen angesehen. Seine Vorbereitung hatte sich gelohnt. Nach 16 Zügen war die Position ziemlich ausgeglichen, auch wenn Weiß etwas Druck auf das Zentrum hatte. Hiarcs sah sich dann sogar mit 0.80 im Vorteil, aber Bareev verteidigte sich akkurat und hat den halben Punkt verdient. "Es war erstaunlich, dass Bareev einen günstigen Weg aus den Komplikationen fand," meinte Uniacke nach der Partie. Bareev: "Ich habe ein paar gute Gelegenheiten in der zweiten Partie verpasst. Ich muss allerdings zugeben, dass mir dieser Wettkampf gegen den Rechner richtig Spaß gemacht hat. Ich hatte übrigens vor dem Wettkampf keine Partie von Hiarcs gesehen!" Nächstes Jahr wird es wieder einen Mensch-Maschine Wettbewerb in Maastricht geben, allerdings keinen klassichesn Vergleich Mensch gegen Maschine, sondern etwas ziemlich Neues und Begeisterndes. Bitte besuchen Sie ab und zu die Seite von www.chessevents.nl, um es bald zu erfahren.






