Ein Profi braucht keine Vorbereitung

Match Evgeny Bareev vs Hiarcs-X
Eric van Reem
Großmeister Barejew gegen Hiarcs
Bereits zum dritten Mal organisierte die Stiftung Chess Events Maastricht einen Vergleich Mensch gegen Maschine. Computerkiller GM John van der Wiel verlor 2001 ein Match gegen Rebel, letztes Jahr kam der 3fache niederländische Meister GM Loek van Wely nicht über ein Unentschieden gegen Rebel Century hinaus. Nach vier aufregenden Partien endete das Match 2–2. Dieses Jahr spielte das englische Programm Hiarcs X von Mark Uniacke vier Partien gegen die Nummer 8 der FIDE-Weltrangliste, den russischen GM Evgeni Barejew (Elo 2729). CSS-Mitarbeiter Eric van Reem war Ende Januar eine Woche lang als Pressechef in Maastricht dabei.
Vorbereitung
Kurz bevor das Match in Maastricht anfing, hatte Barejew im Spitzenturnier im niederländischen Wijk aan Zee einen hervorragenden dritten Platz erreicht, noch vor den zwei Weltmeistern Kramnik und Ponomariov. Am Sonntag, den 26. Januar spielte Barejew seine letzte Partie beim Corus-Turnier gegen Anand, am Dienstag stand bereits die erste Partie gegen Hiarcs X auf dem Programm. Viel Zeit blieb Barejew also nicht, um sich auf das Match gegen das Computerprogramm vorzubereiten.
Auf der Fahrt von Wijk aan Zee nach Maastricht erzählte der freundliche Russe: "Ich habe kurz mit Loek van Wely über das Match gegen Rebel ge-sprochen, außerdem hat mir Vladimir Kramnik noch einige Tipps gegeben. Er hat schließlich vor einigen Monaten gegen Fritz gespielt. Ich habe noch nie eine Partie von Hiarcs gesehen und gehe davon aus, dass es nicht anders spielt als Fritz. Mir ist es egal gegen welches Programm ich spiele, ich bin Profi. Ein guter professioneller Schachspieler muss jederzeit in der Lage sein, gegen ein Computerschachprogramm zu bestehen, egal ob es Fritz, Junior oder Hiarcs heißt". Barejew spielte am Montagabend einige Blitzpartien gegen Hiarcs, konnte aber keine Partie gewinnen. Nach etwa 8 Partien hatte Barejew genug gesehen: "Spielt genau so wie Fritz!", war sein Kommentar. Mark Uniacke, der 38-jährige Programmierer aus Nord-London, hatte sich zusammen mit seinem Buchautor Eric Hallsworth einige Wochen auf das Match vorbereitet: "Ich habe seit dem Release von Hiarcs 8 hart an der Engine gearbeitet und die Version, die gegen Barejew spielt, ist mindestens 50 Elo-Punkte stärker als die Version 8. Diese Version 196 gewinnt immer klar gegen die Vorgängerversionen. Außerdem habe ich die Engine für das Match noch so präpariert, dass die Damen so lange wie möglich auf dem Brett bleiben. Das ist eine Lehre aus dem Match Kramnik-Fritz."
Uniacke hat in den letzten Jahren regelmäßig gegen starke menschliche Gegner gespielt. Der bescheidene Engländer war ein gern gesehener Gast in den famosen Aegon-Turnieren in den Neunzigern und Hiarcs 6 gewann im April 1997 ein Match gegen den kanadischen IM Deen Hergott. "Garry Kasparov hat 1997 ein geheimes Match gegen Hiarcs gespielt, um sich auf das Match gegen Deep Blue vorzubereiten: Leider habe ich die Partien nie bekommen, aber ich weiß, das Hiarcs einige Partien gewonnen hat", erzählte Uniacke.
Das Match
Die erste Partie wurde am Dienstag, den 28. Januar gespielt. Hiarcs spielte auf einem PC von Sponsor Paradigit Computers. Die Firma stellte für das Match einen Athlon 2400 mit 1GB RAM zur Verfügung. Der internationale Schiedsrichter Albert Vasse sorgte für Ruhe im Spielsaal im wunderschönen Centre Ceramique. Das Match wurde live auf dem ChessBase-Server übertragen, die Partien konnten auch auf der eigenen Website www.chessevents.nl mit einem Kommentar von Jan van Reek verfolgt werden. Das Interesse war groß: Bei ChessBase verfolgten täglich etwa 500 Schachfreunde die Partien live, die eigene Website hatte täglich ungefähr 15.000 Besucher. Außerdem berichteten alle wichtigen Schachwebsites über das Event in Maastricht.
Französisch mit Schwarz
Wie bereits erwähnt, hatten sich Uniacke und Hallsworth gründlich vorbereitet, aber es war sehr schwierig, im soliden Repertoire des Russen eine Lücke zu finden. Mit den schwarzen Figuren spielte Barejew zwei Mal Französisch:
Auch in der dritten Partie spielte Barejew Französisch, Hiarcs wählte diesmal eine andere Variante:
Englisch mit Weiß
Mit Weiß spielte Barejew zwei Mal 1.c4 (Englisch), Uniacke war überrascht. Kannte er etwa Barejews Partie gegen Junior nicht? Der Großmeister hatte im Superturnier von Dortmund im Jahr 2000 eine Turnierpartie gegen Junior gespielt, die remis endete.
Eine spannende Partie! Barejew konnte sich nicht gegen die geschickte Verteidigung durchsetzen und musste am Ende noch sehr genau spielen. Auch in der letzten Partie konnte der Russe wenig mit den weißen Figuren anfangen:
Uniacke war vom Spiel des Russen in der letzten Partie beeindruckt: "Hiarcs beurteilte die Stellung mit +1 für Schwarz im Mittelspiel, aber Barejew schätzte die Stellung viel besser und genauer ein. Es wird noch sehr lange dauern, bevor Schachprogramme die Mittelspielstellungen genau so gut wie starke Großmeister beurteilen werden. Dieses Match hat klar gemacht, dass ich noch sehr viel arbeiten muss".
Auch Barejew war mit den Partien zufrieden: "Es hat sehr viel Spaß gemacht gegen den Computer zu spielen. Ich war anfangs etwas skeptisch, aber die Partien waren gut, ich würde sagen: gutes Großmeisterniveau. Ich glaube nicht, dass man sehen kann, dass dies ein Match Mensch gegen Maschine war".
Auch die Organisatoren waren zufrieden: Jos Uiterwijk, Jan van Reek und Daniel Brorens, die die Stiftung Chess Events Maastricht bilden, werden auch nächstes Jahr ein Event in Maastricht organisieren. Allerdings wird es höchstwahrscheinlich nicht mehr ein klassisches Mensch-gegen-Maschine-Match geben. In Maastricht wurden bereits einige Szenarien und innovative neue Konzepte für das nächste Jahr besprochen. Lassen Sie sich überraschen! Auf der Website www.chessevents.nl können Sie alle Partien mit Kommentaren von Jan van Reek nachspielen, außerdem finden Sie dort eine Bildergalerie. Selbstverständlich finden Sie alle Partien auch im CSS-Service.






